Sprachförderprojekt Schuljahr 2004/ 05

Dokumentation der didaktischen Bausteine zum Schreiben, Modul 3

 

Schule/ Schulort

Uhlandschule Metzingen-Neuhausen/Glems

Klasse

8

Beteiligte Personen

Helga Wolz

Thema

 

Texte überarbeiten:

„Hilfen zur Entwicklung der Schreibkompetenz“

Ziele des Bausteins

 

  1. Die Schüler sollen fremde und eigene Texte selbständig überarbeiten.
  2. Der Lehrer soll dem Schüler durch seine Korrektur eine motivierende „Hilfe zur Selbsthilfe“ bieten .

Inhalte des Bausteins

 

 

Methoden zur

  1. Textüberarbeitung fremder und eigener Texte durch Schüler unter einer oder nur ganz wenigen Fragestellungen, die als Textlupe verwendet werden.
  2. Hilfreichen Korrektur durch den Lehrer.

Didaktische und methodische Hinweise für die Umsetzung des Themas

 

 

Hilfen zur Entwicklung der Schreibkompetenz

Texte selbst überarbeiten – Hilfreiche Korrektur durch den Lehrer

I: Überarbeiten von Texten durch Schüler-Expertengruppen

Ein Ziel bei der Erziehung zum selbständigen Schreiben ist die Kompetenz, Texte selbst zu überarbeiten. Um diese Kompetenz anzubahnen, bietet sich folgendes Verfahren an:

Zunächst wird das Überarbeiten von Texten im Klassenverband exemplarisch eingeübt. Anschließend können die so erworbenen Techniken selbständig auf eigene Texte angewendet werden.

Wichtig ist bei der Textüberarbeitung durch Schüler, dass der Fokus der Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf alle Korrekturaspekte gelenkt wird. Dies führt erfahrungsgemäß zu einer Überforderung der Schülerinnen und Schüler. Es empfiehlt sich daher folgendes Vorgehen:

 

1. Die Korrektur wird in Partnerarbeit durchgeführt.

Um Leistungsdifferenzen auszugleichen, korrigieren je ein schwächerer und ein stärkerer Schüler gemeinsam. Sie bilden eine Expertengruppe für einen Korrekturaspekt.

2. Die Korrektur erfolgt unter einem oder ganz wenigen Aspekten. Es ist einem Schüler (und auch den meisten Lehrern) nicht möglich, alle Aspekte vom Inhalt über die Sprache, den Stil bis hin zur Rechtschreibung in einem Arbeitsgang zeitgleich zu erfassen.

Je nach Textart ergeben sich hier unterschiedliche Fragestellungen, die als Textlupe verwendet werden können. Beispiele:

·         Ist die Zeit eingehalten?

·         Ist die Gliederung richtig?

·         Sind die W-Fragen alle beantwortet?

·         Wurden abwechslungsreiche Verben/Adjektive verwendet?

·         Stimmt die Rechtschreibung?

·         Steht nach jedem Satz ein Satzschlusszeichen? ...

 

3.      Die Expertengruppe wird über mehrere Korrekturabläufe beibehalten. Ein Wechsel erfolgt erst, wenn die Gruppe dies entscheidet und dieser Entscheidung durch den Lehrer aufgrund der gemachten Korrekturergebnisse zugestimmt wird. Somit ist sicher gestellt, dass diese Expertengruppe „ihren Korrekturaspekt“ sicher beherrscht. Damit erzielt auch die Expertengruppe einen Lernerfolg. Ihr „Fokus der Aufmerksamkeit“ und ihre Konzentrationsfähigkeit wurde auf einen Aspekt gerichtet und durch mehrmaliges Durchführen derselben Tätigkeit entsteht ein Übungseffekt und damit ein Vertiefungseffekt im Hinblick auf ein bestimmtes Überarbeitungs-merkmal. Dies kommt dann der eigenen Arbeit zu Gute, also dem selbständigen Überarbeiten eigener Texte. Damit kann der relativ hohe Zeitaufwand, den das Überarbeiten von Schülertexten durch Schüler im Hinblick auf die zur Verfügung stehende Wochenarbeitszeit im Fach Deutsch kostet, legitimiert werden.

 

4.      Jede Korrektur muss auf die ausführenden Personengruppen zurückgeführt werden können. In der Praxis bedeutet dies, dass die einzelnen Expertengruppen z. B. immer mit einer bestimmten Farbe schreiben und ihre Namen angeben. Dies hat folgende Vorteile:

  • Die Verantwortlichkeit wird gewahrt, da keine Korrektur anonym erfolgt.
  • Der Autor kann sich bei Fragen an die Expertengruppe wenden.
  • Der Lehrer hat eine Übersicht über die Arbeit der Expertengruppen und damit über ihren Stand hinsichtlich der Konzentration und Leistungsfähigkeit während der Korrektur.

 

5.      Alle von den Expertengruppen korrigierten Arbeiten werden auf einem zentralen Tisch im Klassenzimmer abgelegt. Das bietet folgende Vorteile:

  • Die nächste Expertengruppe hat freien Zugriff ohne Wartezeit, da die Zahl der Hefte immer doppelt so hoch ist wie die der Expertengruppen.
  • Es entsteht kein Kopieraufwand.

 

6.      Der Lehrer ist Teil der Korrekturgruppe. Vorteile:

a.       Der Lehrer erhält einen Einblick in die Arbeit der Expertengruppen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Arbeitsqualität.

b.       Die Expertengruppen erhalten Feedback über ihre Arbeit.

c.       Eine Evaluation ist möglich.

 

7.      Dem Textautor muss Zeit für die Einarbeitung der Korrekturvorschläge gegeben werden.

Anlage 1: Beispiele von Arbeitsaufträgen von Expertengruppen

 

II. Korrigieren durch den Lehrer ist mehr als „Verbessern“ nach „Richtig“ und „Falsch“!

- Hilfreiche Korrektur durch den Lehrer

Korrigieren ist häufig nur eine „Einwegkommunikation“, das heißt, in der Regel verbessert der Lehrer etwas was der Schreibende falsch gemacht hat. Die psychologische Situation ist nicht ermutigend, da sie stark komplementär ist. „Hilfreiche Korrektur“ muss Angebote an den Textautor machen, die diesem die Chance eröffnen, Fehler selbst zu erkennen und selbst Verbesserungsvorschläge in Form von Lösungsmöglichkeiten zu machen. Letztlich geht es darum, eine „Fehlersensibilität zu wecken“ und „aktive Lernfenster aufzuzeigen“, die vom Autor gerne geöffnet werden. Fehler werden so zu Lernchancen.

Um dies umzusetzen bieten sich folgende Methoden an:

1.      Hilfe zur Selbsthilfe: Korrektur durch Fragen oder Aufforderungen, die man an den Autor stellt.

Beispiele:

·         Ist das richtig?

Statt: Das ist falsch!

·         Versuche das in anderen Worten auszudrücken!

Statt: So kann man das nicht sagen!

·         Lies die Aufgabe noch einmal!

Statt: Das war nicht gefragt!

2. Statt Falsches nur durchzustreichen, Alternativen anbieten und damit einen Input bieten.

            Beispiele:

·        Statt: Du beginnst zu viele Sätze mit „dann“

Der Lehrer bietet Alternativen an: anschließend, später, danach,

als X vorbei war ... . Dies kann auch in Form eines Plakates im

Klassenzimmer zum Daueraushang werden.

·        Statt Wortwiederholungen nur als Wiederholung zu kennzeichnen, Alternativen bieten.

3. Bei jedem Text treten in einer Klasse „typische Fehler“ auf. Diese Textstellen schreibt der Lehrer am besten am PC nach bestimmten Gesichtspunkten geordnet mit den Fehlern der Schüler ab. Die Korrektur erfolgt dann durch die Schülerinnen und Schüler der Klasse selbst. Dieses Vorgehen ist erfahrungsgemäß sehr motivierend. (Anlage 2 und 3) Begründung:

·         Es handelt sich nicht um anonyme Texte, sondern ausschließlich um Textmaterial aus der Klasse.

·         Die Schülerinnen und Schüler sind gespannt, ob sie ihre eigenen Sätze auf dem Arbeitsblatt wiederfinden.

·         Es bereitet ihnen meist Spaß, „Lehrer“ zu spielen.

·         Die Korrektur „typischer Fehler“ hat einen exemplarischen und damit übertragbaren Charakter.

4. Ausführliche verbale Kommentare als Feedback geben

Hier könnten folgende Rückmeldungen gegeben werden:

·         Was ist besonders gut gelungen?

·         Was ist unverständlich?

·         Tipps für die Überarbeitung

5. Zeit lassen für das Lesen des Lehrerkommentars. Direkt nach der Rückgabe von korrigierten Texten entsteht eine sensible Phase für den Autor. Jetzt ist er besonders empfindsam und damit aufnahmebereit. Deshalb ist es wichtig, dass die „Botschaft des Korrektors“ eine weiterhelfende ist. Hier muss auch Zeit gelassen werden für den Austausch mit anderen und für gegenseitige Fragen:

„Was hast du?“

„Was hat er/sie bei dir drunter geschrieben?“

6.      Zeit lassen für eine Überarbeitung.

Textüberarbeitung durch Schüler (I.) und Korrektur durch den Lehrer/die Lehrerin (II.) sind zwei Seiten ein und derselben Sache. Sie gehören untrennbar zusammen, wenn man bei der Erziehung zum selbständigen Schreiben Nachhaltigkeit erzielen will.

Zeitrahmen für die Umsetzung

I. Überarbeiten von Texten durch Schüler-Expertengruppen:

2 Doppelstunden zur Einführung des Verfahrens. Dann Anwendung der erlernten Methode bei eigenen Texten der eingeübten Textart. Bei Einführung der nächsten Textart gleiches Vorgehen. Auf diese Weise wird die Methode des Überarbeitens von eigenen Texten eingeübt und wird zum selbstverständlichen „Werkzeug“ über das die Schüler verfügen.

II. Hilfreiche Korrektur durch den Lehrer:

Gilt immer!

Ergebnisse / Reflexion des didaktischen Bausteins

 

Bei diesem Baustein handelt es sich um eine Methode, die exemplarischen Charakter hat.
D. h. sie kann in unterschiedlichen Klassenstufen und in variierter Form in verschiedenen Fächern und Fächerverbünden  angewandt werden.

Materialien/ Anhang

 

 

Anlage 1

Arbeitsaufträge für Expertengruppen;  Thema: Charakteristik Kl. 8

Anlage 2:

Sätze aus Schülertexten zur Korrektur durch Schüler – ohne Input des Lehrers

Anlage 3:

Sätze aus Schülertexten zur Korrektur durch Schüler – mit Input des Lehrers