Sprachförderprojekt Schuljahr 2004/ 05

Dokumentation der didaktischen Bausteine zum Schreiben, Modul 1

 

Schule/ Schulort

Uhlandschule Metzingen-Neuhausen/Glems

Klasse

9 (könnte auch in Kl. 8 durchgeführt werden)

Beteiligte Personen

Frau Wolz

Thema

 

„Floskeln“ und „Wörter von denen wir leben“

 – Wörter mit Inhalt füllen

Ziele des Bausteins

 

 

 

Die Schüler sollen erkennen, dass es Wörter und Redewendungen gibt, die sinnentleert sind und damit ohne Aussagekraft. Im Gegenzug dazu sollen sie Wörter kennen lernen, die für Menschen bedeutsam sind. Dabei sollen sie erkennen, dass diese stark bedeutungstragenden Wörter inhaltlich individuell gefüllt werden können.

Damit soll die Sensibilität für die Aussagekraft von Wörtern/Redewendungen weiterentwickelt werden und damit die Kompetenz eines bewussten und zielorientierten Sprachgebrauchs.

Inhalte des Bausteins

 

 

 

1. Floskeln: Sinnentleerte Wörter/Redewendungen

Wiemer, Rudolf Otto: „Floskeln“ (In: Treffpunkte 9 Schroedel Vlg. Hannover 1999, S. 218) à Anlage 1

Bienek, Horst: „Trauerarbeit II“ (dto. S. 47) à Anlage 2

2. Wörter mit hoher Bedeutung für den Menschen

„Das Wort Hoffnung“ von Lothar Zenetti à Anlage 3

Didaktische und methodische Hinweise für die Umsetzung des Themas

 

 

  1. Über die o. g. Texte erfahren die Schüler, was sinnentleerte Wörter/Redewendungen sind. Sie schreiben und spielen Szenen in denen viele Floskeln vorkommen und ersetzen diese auch, indem sie eigene Dialoge zu Alltagssituationen schreiben.  
  2. Festhalten der Assoziationen der Schüler zu den für Zenetti wichtigen Worten in Form eines Clusters. Dabei steht je eines der für Zenetti wichtigen Worte in der Mitte eines farbigen Blattes. Die Blätter liegen im Klassenzimmer verteilt, die Sch. bewegen sich frei im Klassenzimmer und notieren ihre eigenen Assoziationen zu den jeweiligen Wörtern ohne mit den anderen darüber zu sprechen.          Da jeder mit einem eigenen schönen Stift mit einer anderen Schrift schreibt, entstehen Cluster, die auch rein äußerlich signalisieren, dass hier jeder andere Assoziationen hat. Vorteil dieses Verfahrens ist es, dass die Schüler dabei die Gelegenheit haben, die Assotiationen der Mitschülerinnen und Mitschüler zu lesen und sich davon inspirieren lassen können.
  3. Die Schüler entscheiden sich selbst für 5 Wörter, die für sie wichtig sind und begründen ihre Entscheidung in Form einer Argumentation (Behauptung, Begründung, Beispiel, Folge). Mögliche Satzanfänge können vorgegeben werden:

-          Für mich ist X ein sehr wichtiges Wort, denn …

-          X hat eine große Bedeutung, weil …

-          Ohne X könnte ich nicht leben. …

-          X ist etwas ohne dass mein Leben anders aussähe. …

 

  1. Die Schüler schreiben ein Parallelgedicht zu Zenetti, unter einer der Überschriften

-          Wörter von denen wir leben

-          Wörter von denen ich lebe

-          Wörter für die ich lebe

-          Wörter für die ….

 

5. Öffentlicher Vortrag des Zenetti-Gedichts oder eines Parallelgedichts auf dem Friedhof Neuhausen anlässlich des Volkstrauertags/

Totensonntags. Die Schüler üben den Vortrag des Gedichts von Zenetti, die Zuhörer geben ein qualifiziertes Feedback. Im Rahmen eines klassen-internen Wettbewerbs wird von der Klasse gemeinsam entschieden, welcher Schüler dieses Gedicht am Totensonntag/Volkstrauertag auf dem Friedhof vorträgt.

Zeitrahmen für die Umsetzung

9 Stunden

Ergebnisse / Reflexion des didaktischen Bausteins

 

Die Unterrichtseinheit kann besonders unter dem Schwerpunkt „Sprachförderung“ gesehen werden. Begründung: Sie befasst sich intensiv mit dem „Inhalt von Worten“. Gleichzeitig wird hier beim Clustering, bei dem alle Schüler der Klasse ihre Assoziationen auf einem gemeinsamen Blatt notieren, eine Methode angewandt, die individuelle Assoziationen zulässt und gleichzeitig eine Befruchtung der eigenen Kreativität durch die anderer Schülerinnen und Schüler stattfindet.

Es findet verbundener Deutschunterricht statt, denn die Bereiche Sprechen, Spielen, Lesen, Schreiben und „Sprachbewusstsein entwickeln“ werden berücksichtigt. Besonders wird der Schreibprozess gefördert durch einen Input an möglichen Satzanfängen durch den Lehrer und die Vorlage des Zenetti-Gedichts für ein Parallelgedicht der Schüler. Da Deutsch Leitfach für ITG ist, bietet sich hier auch die Möglichkeit des PC-Einsatzes zum Schreiben von Texten. Gleichzeitig kann die schriftliche Argumentation weiter vertieft werden.

Die didaktischen Prinzipien Schülerorientierung, Lebensnähe und Förderung der Individualität finden ihren Ausdruck z. B. durch die Wahl „5 eigenen wichtigen Worte“.

 

Beobachtungen:

Die Schüler erkannten beim Zenetti-Gedicht spontan, dass es sich nicht um eine Abfolge von vollständigen Sätzen, sondern vor allem um das Nennen von Worten geht. Viele der genannten Worte sind auch für sie wichtig, so dass es ihnen nicht schwer fällt, mit einem „schönen“ Stift die eigenen Assoziationen zu notieren. Das „Auftreten-Üben“ für einen öffentlichen Vortrag brachte einen Zuwachs an Selbstsicherheit für die betroffenen Schüler. (Der Gedichtvortrag von Schülern der Uhlandschule beim Volkstrauertag/Totensonntag auf dem Neuhäuser Friedhof ist ein festes Ritual, bei dem sich Schüler unserer Schule in das Gemeindeleben einbringen.)

 

Materialien/ Anhang

 

 

Anlage 1:

Wiemer, Rudolf Otto: „Floskeln“ (In: Treffpunkte 9 Schroedel Vlg. Hannover 1999, S. 218)

Anlage 2:

Bienek, Horst: „Trauerarbeit II“ (dto. S. 47)

Anlage 3:

Zenetti, Lothar: „Das Wort Hoffnung“

Anlage 4:

Beispiele von Schülerassoziationen