Artikel im Metzinger-Uracher Volksblatt

Erscheinungsdatum: Dienstag 18.02.2003
 

PETER SWOBODA

UHLANDSCHULE / Ein Projekt für Fünftklässler
Gegen die wachsende Sprachlosigkeit
Schon vor den Ergebnissen der Pisa-Studie hat man in Neuhausen mit der Förderung begonnen.

Fünf Jahre lang werden die Fünftklässler der Uhlandschule gefördert, um ihren Wortschatz zu erweitern, Texte zu verstehen und Freude am Lesen zu bekommen. Gestern waren die Schüler in der Stadtbücherei bei einer Wörterwerkstatt mit der Autorin Sylvia Englert

NEUHAUSEN Lange bevor die Ergebnisse der Pisa-Studie ganz Deutschland in Aufregung versetzten, haben die Lehrer an der Neuhäuser Uhlandschule festgestellt, dass die Sprachkompetenz der Schüler permanent abnimmt. "Dabei ist die Sprachkompetenz die Grundlage allen Lernens", sagt Rektor Manfred Thiedemann.
Wer sich sprachlich nicht ausdrücken kann, Texte nicht versteht und
schlecht lesen kann, hat Probleme in allen Fächern. Deshalb sollen die Schüler der Uhlandschule eine intensive Sprachförderung erhalten. Dazu gehört auch eine engere Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Kalebskelter in Metzingen.
Es gab Klassenführungen durch die Bücherei und eine technische Einweisung, um die Schwellenangst abzubauen. Es ging darum, die Schüler zum Lesen zu animieren. Gestern trafen die Fünftklässler mit der Autorin Sylvia Englert zur Wörterwerkstatt zusammen. Die Schüler bekamen einen Satz vorgegeben den
sie fortsetzen sollten. Es ging also darum, einen Faden aufzunehmen und weiterzuspinnen. Mit dem Projekt soll auch der Wortschatz der Schüler erweitert werden.
                      Von den Ideen, die Sylvia Englert einbringt, profitieren auch die Lehrer, die
                      viele Anregungen in den Unterricht aufnehmen können. Dabei ist Rektor
                      Thiedemann klar, dass man nichts gänzlich Neues erfinden kann. "Aber", so
                      der Pädagoge, "man kann die Aufmerksamkeit fokusieren auf das, was
                      gesprochen wird."

                      Um den Wortschatz zu erweitern, werden an der Uhlandschule auch Wörter
                      gesammelt. Beispielsweise: Was heißt es, jemanden zu mustern. Oberstes
                      Gebot ist aber, die Leselust zu fördern. "Wenn jemand viel liest, verschwinden
                      die Probleme von selbst", sagt Konrektorin Helga Wolz. Genauso wichtig ist
                      jedoch das Vorlesen. Dabei wird die Imaginationsfähigkeit gefördert. Der
                      Schüler muss sich als Zuhörer selbst Bilder schaffen.

                      Daran hapert es nämlich ebenfalls. Als Manfred Thiedemann den Schülern
                      einst Spielfilme gezeigt hat, waren sie hinterher nicht in der Lage, die
                      Handlung nachzuerzählen.

                      Die Sprachförderung ist eine von vier Säulen der Profillinie der Uhlandschule.
                      Die anderen sind das Projekt "Schulanfang auf neuen Wegen",
                      Medienerziehung und Stärkung der Friedensfähigkeit mit dem Projekt
                      "Faustlos". Körperliche Auseinandersetzungen entstehen aus mangelnder
                      Fähigkeit, sich zu artikulieren. Über den Freundeskreis steht der Schule dafür
                      Geld von der Robert-Bosch-Stiftung zur Verfügung. So bekommen demnächst
                      einige Schüler der siebten Klasse eine Ausbildung zum Streitschlichter.
 

Artikel im GEA Reutlingen zum Fach Deutsch
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