Artikel vom 08.12.2003 aus SÜDWEST AKTIV

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BERUF / Praktischer Leistungswettbewerb der Handwerksjugend 2003 - 
Erste Bundessiegerin kommt aus Neuhausen

Marion Hartter für Steh-Tischbar ausgezeichnet

Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden: Und damit das so bleibt, richtet
der Zentralverband des deutschen Handwerks einmal im Jahr einen
"Praktischen Leistungswettbewerb" für den Nachwuchs aus. Am Freitag wurden
in der Stadthalle die Sieger ausgezeichnet.

REGINA KRUCK

Preisverleihung beim Leistungswettbewerb der Handwerksjugend: 
Diethard Pagels plaudert mit Marion Hartter, der Ersten Bundessiegerin aus Neuhausen. FOTO: REGINA KRUCK

 

METZINGEN   Die Idee kam Marion Hartter schon ganz früh während ihrer Ausbildung zur
Drechslerin: Eine Steh-Tischbar wollte sie bauen, ganz aus Holz. Eine Bar,
bei der man oben die Platte anheben kann - in die noch ein Sektkühler
integriert sein muss - darunter käme ein Gläserring zum Vorschein, aus
seiner Mitte könnte man eine Sektflasche nehmen und dann: Prost!

Die Tischbar ist Wirklichkeit geworden, Marion Hartter hat den Entwurf zu
ihrem Gesellenstück gemacht. Nun hat die 20-Jährige aus Neuhausen richtig
Grund zum Feiern: Sie wurde damit Erste Bundessiegerin im Drechslerhandwerk
beim Leistungswettbewerb.

Damit war die junge Frau, die ihre Ausbildung in einer Dettinger
Drechslerei gemacht hat, eine von 50 Nachwuchs-Handwerkern aus dem
Kammerbezirk Reutlingen, die am Freitagabend bei einer Feierstunde vor rund
300 Gästen als Sieger des Wettbewerbs auf Kammer-, Landes- und Bundesebene
ausgezeichnet wurden. Dabei reicht die Palette der Berufe vom Buchbinder
über die Steinbildhauerin und die Zahntechnikerin bis hin zum
Orthopädieschuhmacher.

Jeder Sieger musste dem Moderator des Abends, Diethard Pagels, kurz und
humorvoll Rede und Antwort über die Inhalte seiner Ausbildung stehen.
Ernsthaftes Lob gab es von Kammerpräsident Joachim Möhrle: "Sie sind der
leibhaftige Beweis dafür, was im Handwerk so alles möglich ist",
beglückwünschte er die Teilnehmer in seiner Rede. "Sie haben
Leistungswillen gezeigt und Ihre Chancen bestens genutzt."

Und auch Metzingens Oberbürgermeister Dieter Hauswirth war stolz: "Nach wie
vor gilt: Handwerk hat goldenen Boden, und die Tugenden wie Fleiß und
Verantwortungsbewusstsein, die es dafür braucht, haben Sie eindrucksvoll
bewiesen."

Der vom Zentralverband des deutschen Handwerks ausgeschriebene Praktische
Leistungswettbewerb auf Kammer-, Landes- und Bundesebene wird jedes Jahr in
allen handwerklichen Ausbildungsberufen ausgerichtet. Teilnehmen konnten
Junghandwerker bis 23 Jahre, die in diesem Jahr ihre Gesellenprüfung
abgelegt und dabei in Theorie und Praxis eine Note von 2,4 und besser
geschafft hatten. Aus dem Bezirk Reutlingen waren das diesmal ganze 213.

Die jeweilige Handwerkskammer ermittelt dann aufgrund der
Prüfungsergebnisse zunächst die Kammersieger in den einzelnen Berufen - 65
waren es heuer aus unserer Region. Nur Tischler und Zimmerer bekommen eine
"Extrawurst": Sie müssen noch einmal "live" vor einer dreiköpfigen
Kommission eine Arbeitsprobe anfertigen - das kann ein Bügelbrett sein oder
auch eine kleine Dachkonstruktion.

Die Besten kommen dann in die Ausscheidung auf Landesebene, und die ersten
Landessieger bekommen wiederum die Chance, sich auf Bundesebene zu
qualifizieren. 2003 kamen fünf von deutschlandweit 90 ersten, zweiten und
dritten Bundessiegern aus dem Kammerbezirk Reutlingen. Diese werden am
Samstag noch einmal in Mannheim geehrt und erhalten Geldpreise zwischen 100
bis 300 Euro.

Der Leistungswettbewerb dient der Talentsuche; er ist für den Nachwuchs
aber auch eine gute Gelegenheit, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten mit
anderen Junghandwerkern des gleichen Berufes zu messen. Für viele war es
laut Kammerpräsident Möhrle auch schon von Vorteil, wenn sie später bei
Bewerbungen oder bei der Gründung einer eigenen geschäftlichen Existenz auf
ihre Erfolge beim Leistungswettbewerb hinweisen konnten.