Reutlinger
Generalanzeiger - Neckar und Erms vom 30.09.2003
Schule
- Sprachprojekt in Neuhausen ist jetzt ein vom Wissenschaftsministerium
genehmigtes Forschungsprojekt
Wenn
Pädagogik zum Erlebnis wird
METZINGEN-NEUHAUSEN.
Klettern im Baum als Teamarbeit. An der
Uhlandschule in
Neuhausen wird Pädagogik zum Erlebnis. Das Sprachprojekt
zur Förderung der
Sprachkompetenz von Hauptschülerinnen und Hauptschülern,
das die Uhlandschule
gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule
Schwäbisch Gmünd und
dem Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Nürtingen
seit mehr als einem
Jahr anbietet, ist seit neuestem ein vom
Wissenschaftsministerium genehmigtes Forschungsprojekt.

Im Seilgarten
lernen Schüler der Neuhäuser Uhlandschule
ihre Grenzen und ganz neue Fähigkeiten kennen.
Damit steht das unterrichtliche Vorhaben der Uhlandschule, eine
Hauptschulklasse über
fünf Jahre intensiv in der Förderung der Sprache zu
begleiten, auf solidem
Boden. Die Uhlandschule fügt das Sprachprojekt in die
Entwicklung eines
schuleigenen Profils ein. Zu diesem Profil gehören auch
Elemente der
Erlebnispädagogik.
Die eigenen Grenzen
erkennen
Deshalb verbrachte die
Klasse 6 im Sprachprojekt drei erlebnisintensive Tage
im Seminarhaus auf der Haid. Besondere Zielsetzung dieser Seminare ist die
Persönlichkeitsbildung
sowie die Teamschulung. »Damit läuft das Angebot auf
der Haid
voll in unsere Zielsetzung hinein«, so Schulleiter Manfred Thiedemann,
»denn es kommt nicht
nur darauf an, etwas zu sagen zu haben. Man muss auch
das nötige
Selbstvertrauen erwerben, um sich sprachlich vor anderen zu
artikulieren«.
Gegenseitige Hilfestellung
So waren für die
Mädchen und Jungen der Klasse 6 jede Menge
Outdoor-Aktivitäten
angesagt, die sie natürlich unter professioneller Anleitung
bis an ihre Grenzen
führten. Nur mit Kompass und topografischer Karte
ausgerüstet,
durchwanderten kleine Schülerteams allein ein unbekanntes
Waldgelände um am
Zielort einen Seilgarten vorzufinden, der durchklettert
werden sollte. Rasch stellten
die Jugendlichen fest, dass die im Parcours
eingebauten Schikanen
nur mit gegenseitiger Hilfestellung zu bewältigen waren.
Die Sinnhaftigkeit
einer Teambildung wurde durch die Erfahrung ergänzt, dass
auch Lehrer im
Seilgarten nicht immer die stärksten Teammitglieder sind. Am
zweiten Tag wagten sich
die Schülerinnen und Schüler ans Baumklettern. Durch
Gurte gesichert und mit Helmen
geschützt konnten sie die Wipfel von drei 25
Meter hohen Fichten
erklimmen. Jeder konnte die eigenen Grenzen beim
Wandern, Orientieren
und in der Höhe der Bäume erkennen. Ängste und deren
Bewältigung forderten
die Heranwachsenden häufig heraus.
Durchhaltevermögen, Mut
zu Entscheidungen, Übernahme von Verantwortung,
Entwicklung von
Vertrauen, aber auch das Ertragen von Kritik stellte an die
Schülerinnen und
Schüler immer neue, bisher unbekannte Anforderungen.
Besonders deutlich
zeigte eine Schülerin ihre Freude an der überwundenen
Angst. Wieder festen Boden unter den Füßen
kommentierte sie: »Wenn ich mich
das nicht getraut
hätte, hätte ich mich ewig geärgert!«
Eine solche Aussage
wird auch den Freundeskreis der Uhlandschule e.V.
erfreuen, der den
erlebnispädagogischen Dreitagesausflug großzügig
mitfinanziert hat. Das
begleitende Klassenlehrerteam der Neuhäuser
Uhlandschule bestehend
aus Sabine Bay-Bantle, Rebekka Kübler sowie
Karl-Heinz Wetterauer
war denn auch des Lobes voll über das Gesamtbild der
Klasse. (GEA)