Metzinger Uracher Volksblatt am 21.07. 2005

 

SCHULEN / Uhlandschule stellt ihr Profil vor: Sprachförderung und Friedenserziehung im Mittelpunkt
Eine Theaterpädagogin hilft sprachlich auf die Sprünge

Faszinierend, was Kinder heute alles lernen: Bei einer Informationsveranstaltung stellte Rektor Manfred Thiedemann das Profil der Neuhäuser Uhlandschule vor. Der Schwerpunkt liegt auf der Sprachförderung und Friedenserziehung.




Die Schüler machen sich sprachlich fit:
Wer Goethes Erlkönig zitieren kann und gleichzeitig den Rhythmus des trabenden Pferdes imitiert,
der vollbringt eine großartige Leistung.

FOTO und Text: NORBERT LEISTER


 

 

NEUHAUSEN "Wem die Worte fehlen, der wird eher gewalttätig", sagte Rektor Manfred Thiedemann bei einer Informationsveranstaltung über das Profil der Neuhäuser Uhlandschule. Rund 50 Eltern waren am Dienstag in die Grund- und Hauptschule gekommen, um sich die Frage zu stellen: Gewalt als Ausweg, wenn die sprachlichen Fähigkeiten zur Konfliktlösung nicht ausreichen? Angesichts der stetig abnehmenden Sprachkompetenz bei Kindern und Jugendlichen sowie der zunehmenden Bereitschaft zur Gewalttätigkeit scheint ein Zusammenhang zumindest im Bereich des Möglichen zu liegen.
 
Genau aus diesem Grund heraus hat die Uhlandschule in Neuhausen und Glems sich selbst ein Profil gegeben, das diesem Phänomen der sinkenden Sprachfähigkeit entgegenwirken soll. Auch wenn die Welt hier noch in Ordnung ist und die Lehrer nicht mit den Auswüchsen von gewalttätigen Schülern konfrontiert werden - die Pädagogen sahen vor rund 4,5 Jahren dennoch einen ausreichenden Anlass gegeben, um neben der Medienerziehung vor allem die Sprachkompetenz und damit auch die Persönlichkeitsbildung sowie die Friedensfähigkeit zu wesentlichen Elementen im Profil der Schule zu erheben.
 
"Weil mit der Sprache alles zusammenhängt", sagt Thiedemann. Wer mathematische Textaufgaben nicht versteht, kann sie auch nicht lösen - genauso wenig wie zwischenmenschliche Probleme, wenn die Worte fehlen.
 
Vor mehr als vier Jahren sprang deshalb der Freundeskreis der Uhlandschule ein und finanziert seitdem den wöchentlichen Schulbesuch von Irène Greiner, die jeden Dienstag mit einem ausgefeilten Programm den Schülerinnen und Schülern aller Klassen sprachlich auf die Sprünge hilft. Die "Schulentwicklerin" und Theaterpädagogin hat beginnend mit der ersten bis hinauf zur neunten Abschlussklasse ein Bausteinmodell entwickelt, das aufeinander aufbaut.
 
Wesentliche Teile der Greinerschen Sprachförderung sind neben dem bewussten Schweigen und Hören natürlich das Sprechen, das wiederum in die Bereiche Stimmbildung, ästhetisches und soziales Sprechen unterteilt wird. Die Grundschüler erlernen Sprache vor allem im spielerischen Umgang - aber nicht nur: Wer etwa mit einer Hand den Rhythmus eines trabenden Pferdes imitiert, gleichzeitig aber noch den Erlkönig von Goethe fehlerfrei zitiert, der vollbringt schon eine reife Leistung, die so mancher Erwachsene nicht zustande bringen würde.
 
Mit zunehmendem Alter wird den Schülern aber immer noch mehr abverlangt: In den achten und neunten Klassen geht es dann konkret um Vorstellungs- oder Konfliktgespräche, um Streitschlichter-, Mediations- oder Benimmkurse.
 
Durch den bewussten Einsatz von Mimik und Gestik, durch Konzentrationsübungen und das bewusste Erleben von Resonanz und der eigenen Authentizität werden zudem sowohl die Selbst- wie auch die Fremdwahrnehmung geschult.
 
Doch auch bei den Großen wird das (Schau-)Spielerische nicht vergessen: Wie es sich anfühlt auf der Bühne zu stehen, sich selbst zu präsentieren oder gar mit Improvisationstheater zu glänzen, das ist für die Jugendlichen nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern "das sind auch Erfahrungen, die die Persönlichkeit stärken - und damit auch die Friedensfähigkeit", sagt Greiner.