Erscheinungsdatum: Donnerstag, 02.12.2010

Das Bildungshaus trägt erste Früchte

Neuhausen.  Jetzt ist es offiziell: In den Metzinger Kindergärten wird vorzügliche Arbeit geleistet. Diese Erkenntnis hat das Ulmer Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen zu Tage getragen.

Seit 2007 ist die Uhlandschule in Neuhausen/Glems mit gleich fünf angeschlossenen Kindergärten das größte Bildungshaus-Pilotprojekt in Baden-Württemberg. Zunächst waren für das "Bildungshaus 3 bis 10" 20 Standorte im Land ausgesucht worden, gestern nun kamen weitere 70 hinzu (darunter Römerstein und St. Johann, siehe dazu Seite 29). Ziel des Modells ist es, schon im Kindergarten Vorfreude auf die Schule zu vermitteln. Wöchentlich besuchen die Vorschüler der Kindergärten eine Kooperationsklasse der Grundschule, dann wird gemeinsam unterrichtet. So wird bei den Vorschülern die Hemmschwelle zur Schule gesenkt, "die Kinder gehen sichtlich sicherer, verantwortungsbewusster und selbstständiger", wie Susanne Boss, Leiterin des Kinderhauses in Neuhausen, berichtet.

Ihr Haus ist einer von fünf Kindergärten, der am Bildungshaus beteiligt ist. Und weil das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen Ulm (ZNL), das im Auftrag des Kultusministeriums das Pilotprojekt wissenschaftlich begleitet, nichts dem Zufall überlassen wird, wurde pro Standort ein Kindergarten ausgelost, der genauer unter die Lupe genommen wurde. In Metzingen traf es eben das Kinderhaus Neuhausen in der Kelternstraße.
"Wir sind stolz auf das Untersuchungsergebnis", freute sich gestern Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler und zollte Susanne Boss samt Team ein dickes Lob. "Es ist schön, dass wir von höchster externer Quelle, dem ZNL, diese Beurteilung bekommen haben."


OB Dr. Fiedler zu Gast bei der Mengenlehre im Kinderhaus Neuhausen mit Leiterin Susanne Boss. Foto: Michael Koch
Quelle: www.swp.de

Untersucht wurden in erster Linie die Rahmenbedingungen im Kindergarten und natürlich die pädagogische Arbeit. In den Bereichen Raum, Bewegung, Sprache, Mathematik, Handlungsförderung, soziale Kompetenzen und Interaktion erzielte das Kinderhaus die Maximalpunktzahl, in den Bereichen Kommunikation, Naturerfahrung und Förderung von Toleranz gab das ZNL kleine Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg. Diese wurden auch sofort in die Kindergartenarbeit mit aufgenommen, wie Susanne Boss betont. Unterm Strich erreichte das Kinderhaus Neuhausen 22 von 25 möglichen Punkten.
"Bewertet wurde nach der Kindergarteneinschätzskala, ein Modell, das auf alle Kindergärten angewandt werden kann, auch wenn sie nicht am Bildungshaus beteiligt sind", erklärte Peter Nißle, als Sozialamtsleiter der Stadt Metzingen für die Kindergärten zuständig. Das Modell stammt aus den USA und ist international vergleichbar.

Grundsätzlich hält Susanne Boss sehr viel vom Projekt Bildungshaus. Schon früh stellte der damalige Kindergarten Kelternstraße auf ein offenes Konzept um. Danach dürfen Kinder selbst bestimmen, womit sie sich beschäftigen möchten. "Die Kinder sind viel engagierter, weil sie etwas tun, worauf sie auch Lust haben", erzählt Boss von ihren Beobachtungen. Und durch den intensiven und kontinuierlichen Kontakt zur Schule werde auch die Freude daran geweckt. Das Bildungshaus zeige somit deutliche Erfolge. Für Erzieherinnen und Lehrer gleichermaßen bedeutet das Projekt Bildungshaus ein erhöhtes Maß an Engagement, aber letztlich geht es ja um das Wohl der Kinder, wie Susanne Boss sagt. Und für diesen "wichtigsten Teil unserer Gesellschaft lohnt sich dieser Aufwand allemal", bekräftigt OB Fiedler.