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METZINGEN.
»Ich halte es für bildungspolitischen Unsinn.« Von der Neuorganisation der
Schullandschaft des Landes mit Werkrealschulen neuen Typs hält Metzingens
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler nichts. »Die Halbwertszeit
schulpolitischer Entscheidungen wird immer kürzer.« Der bis vor Kurzem noch
im Hochschulbereich Tätige, wollte allerdings nicht so weit gehen, wie
Ravensburg, dessen Gemeinderat einen Beschluss darüber schlichtweg abgelehnt
hat. Metzingen belässt es bei der Werkrealschule mit Hauptschule im Neugreuth
sowie einer weiteren Hauptschule, der Uhlandschule in Neuhausen.
Die Entscheidung fiel einstimmig, wiewohl breiter
Konsens herrschte, dass die Werkrealschule neuer Art eine bildungspolitische
Tat sei, für die die Landesregierung womöglich 2011 die Quittung bekommt.
»Vielleicht können wir zu anderer Zeit wieder andere Verhältnisse schaffen«,
hofft Fiedler.
Auch der Lehrer und FWV-Mann Peter Rogosch widersprach der Aussage von
Kultusminister Helmut Rau, die Neuregelung erfahre breite Akzeptanz. Rogosch
zählte die breite Front gegen die Schulneuordnung auf: Landeselternbeirat,
Schulleiter, Handwerkskammer, Familien, Kircheninitiativen. »Jetzt wird die
Hauptschule wirklich zur Restschule. Dabei wollte man sie aufwerten.«
»Die Halbwertszeit schulpolitischer Entscheidungen wird immer kürzer«
Ins selbe Horn stieß sein Kollege Bernhard Mohr (FDP), Schulleiter an der
Schönbein-Realschule: »Die Zusammenlegung von Real- und Hauptschule ist nicht
die Lösung. Wenn alle sechs Jahre zusammen lernen würden, hätte es etwas für
sich.« Stattdessen habe man nun vier Schularten. Dabei ist bereits das
dreigliedrige Schulsystem in Baden-Württemberg in der Kritik. Sachsen, das
bei der PISA-Studie in Deutschland am Besten abschnitt, hat nur noch zwei. »Es
ist schlimm, was man uns da zumutet«, fand für die SPD auch Jürgen Fromhold.
Das sei ein vollkommen falscher Weg. Der Schritt hätte mutiger ausfallen
sollen. Einzig die CDU-Räte Karsten Rechentin und Holger Weiblen hielten das
Fähnlein der Landespolitik hoch. Der Gymnasiallehrer Rechentin: »Man wollte
möglichst vielen Menschen optimale Bildung bieten und niemanden
ausschließen.«
Fromhold legte den Finger in die Wunde Schulbezirke, die für die Uhland- und
die Neugreuthschule bis längstens 2016 in Metzingen gelten sollen. Anders als
eigentlich gewollt, haben Schüler und Eltern hier keine Wahl.
Heidrun Müller vom städtischen Schulamt: »Wenn Eltern frei abstimmen dürften,
in welche Schule ihre Kinder gehen, könnte es in Metzingen knapp werden.« Da
fragt sich allerdings, wo das Vertrauen in die Qualität der Schulen bleibt. Diese
Überlegung aus Metzinger Sicht hatte nämlich dazu geführt, dass, fürs nächste
Schuljahr zumindest, eine Kooperation mit Riederich und Grafenberg abgelehnt
worden war. Diese hatten gewünscht, aus der Riedericher Gutenbergschule eine
Außenstelle der Neugreuthschule zu machen.
Einen entsprechenden Brief von Grafenbergs Bürgermeister Holger Dembek verlas
Ulrich Fiedler dem Ratsgremium. Dieser bezog sich auf die interkommunale
Zusammenarbeit der drei Gemeinden, die fürs Schuljahr 2011/12 einen
entsprechenden Antrag stellen sollen, dass es doch noch zur Zusammenarbeit
der drei Orte kommt. (GEA)
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