http://www.gea.de/images/l_gea_logo_druck.gif Erscheinungsdatum: 28.11.2009

Werkrealschule - Metzingen bewerkstelligt die neue Schulart im Neugreuth zunächst ohne Kooperationspartner

»Bildungspolitischer Unsinn«

VON RUTH WALTER

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Mit seiner Schulpolitik verrechnet sich das Land. Darüber gibt es in der Bevölkerung breite Übereinstimmung.   FOTO: AP


METZINGEN. »Ich halte es für bildungspolitischen Unsinn.« Von der Neuorganisation der Schullandschaft des Landes mit Werkrealschulen neuen Typs hält Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler nichts. »Die Halbwertszeit schulpolitischer Entscheidungen wird immer kürzer.« Der bis vor Kurzem noch im Hochschulbereich Tätige, wollte allerdings nicht so weit gehen, wie Ravensburg, dessen Gemeinderat einen Beschluss darüber schlichtweg abgelehnt hat. Metzingen belässt es bei der Werkrealschule mit Hauptschule im Neugreuth sowie einer weiteren Hauptschule, der Uhlandschule in Neuhausen.

Die Entscheidung fiel einstimmig, wiewohl breiter Konsens herrschte, dass die Werkrealschule neuer Art eine bildungspolitische Tat sei, für die die Landesregierung womöglich 2011 die Quittung bekommt. »Vielleicht können wir zu anderer Zeit wieder andere Verhältnisse schaffen«, hofft Fiedler.

Auch der Lehrer und FWV-Mann Peter Rogosch widersprach der Aussage von Kultusminister Helmut Rau, die Neuregelung erfahre breite Akzeptanz. Rogosch zählte die breite Front gegen die Schulneuordnung auf: Landeselternbeirat, Schulleiter, Handwerkskammer, Familien, Kircheninitiativen. »Jetzt wird die Hauptschule wirklich zur Restschule. Dabei wollte man sie aufwerten.«

»Die Halbwertszeit schulpolitischer Entscheidungen wird immer kürzer«
Ins selbe Horn stieß sein Kollege Bernhard Mohr (FDP), Schulleiter an der Schönbein-Realschule: »Die Zusammenlegung von Real- und Hauptschule ist nicht die Lösung. Wenn alle sechs Jahre zusammen lernen würden, hätte es etwas für sich.« Stattdessen habe man nun vier Schularten. Dabei ist bereits das dreigliedrige Schulsystem in Baden-Württemberg in der Kritik. Sachsen, das bei der PISA-Studie in Deutschland am Besten abschnitt, hat nur noch zwei. »Es ist schlimm, was man uns da zumutet«, fand für die SPD auch Jürgen Fromhold. Das sei ein vollkommen falscher Weg. Der Schritt hätte mutiger ausfallen sollen. Einzig die CDU-Räte Karsten Rechentin und Holger Weiblen hielten das Fähnlein der Landespolitik hoch. Der Gymnasiallehrer Rechentin: »Man wollte möglichst vielen Menschen optimale Bildung bieten und niemanden ausschließen.«
Fromhold legte den Finger in die Wunde Schulbezirke, die für die Uhland- und die Neugreuthschule bis längstens 2016 in Metzingen gelten sollen. Anders als eigentlich gewollt, haben Schüler und Eltern hier keine Wahl.
Heidrun Müller vom städtischen Schulamt: »Wenn Eltern frei abstimmen dürften, in welche Schule ihre Kinder gehen, könnte es in Metzingen knapp werden.« Da fragt sich allerdings, wo das Vertrauen in die Qualität der Schulen bleibt. Diese Überlegung aus Metzinger Sicht hatte nämlich dazu geführt, dass, fürs nächste Schuljahr zumindest, eine Kooperation mit Riederich und Grafenberg abgelehnt worden war. Diese hatten gewünscht, aus der Riedericher Gutenbergschule eine Außenstelle der Neugreuthschule zu machen.
Einen entsprechenden Brief von Grafenbergs Bürgermeister Holger Dembek verlas Ulrich Fiedler dem Ratsgremium. Dieser bezog sich auf die interkommunale Zusammenarbeit der drei Gemeinden, die fürs Schuljahr 2011/12 einen entsprechenden Antrag stellen sollen, dass es doch noch zur Zusammenarbeit der drei Orte kommt. (GEA)