Erscheinungsdatum: Samstag 07.11.2009
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/
"Das Hauptproblem ist in den Köpfen der
Eltern"
Ein Informationsabend zur Werkrealschule in der Neuhäuser Uhlandschule -
Sie soll bleiben, was sie ist
|
Rektorin Helga Wolz und OB Dr. Ulrich Fiedler am Info-Abend. Foto:
Norbert Leister |
Trotz
"bildungspolitischem Unsinn" - die Werkrealschule wird auch in Metzingen
kommen. Für die Uhlandschule soll nach reiflicher Überlegung alles bleiben wie
es ist, so der Tenor am Donnerstagabend.
NORBERT LEISTER
Neuhausen Knapp 100
Interessierte waren in die Uhlandschule gekommen. Vor allem die Eltern der
jetzigen und auch der kommenden Schüler wollten wissen, wie es mit der
Neuhäuser Hauptschule weitergehen soll. Doch nicht nur die Information stand im
Mittelpunkt: "Wir wollen Sie als Eltern mit in die Entscheidung
einbinden", betonte Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler. Letztendlich
stimme der Gemeinderat darüber ab, welches von drei entworfenen Modellen dem
Schulamt vorgeschlagen wird. Es solle aber keine Entscheidung gegen den Willen
der Eltern getroffen werden.
Jene drei Modelle, die schon seit einiger Zeit diskutiert werden, haben alle
eines gemein: Die zweizügige Neugreuthschule soll Werkrealschule (WRS) werden.
Mehrere Variationen seien dann denkbar, von der Uhlandschule als Außenstelle
der künftigen Neugreuth-WRS über einen Verbund der Neugreuthschule mit der
Riedericher Gutenbergschule. In diesem Fall würde die Uhlandschule ebenfalls
Werkrealschule - für die Neuhäuser Kinder sei aber unzumutbar, dass sie
phasenweise nach Riederich fahren müssten. "Und es gäbe Reibungsverluste
in den Lehrerkollegien", betonte Fiedler.
Vom Gemeinderat favorisiert werde bislang das dritte
Modell, nach dem die Neugreuthschule zur WRS werde und die Uhlandschule als
einzügige Hauptschule bestehen bleibe. Der Wechsel auf die WRS ins Neugreuth
sei aber jederzeit möglich. Im Vergleich zum alten Bildungsplan ändere sich
nach den Ausführungen von Helga Wolz nichts - alles bleibe beim alten, sowohl
für die Werkreal- wie auch für die Hauptschule. Neu sollen so genannte
Wahlpflichtfächer sein, die in dreierlei Variationen in den 8. und 9. Klassen
angeboten werden. Ansonsten werde sich aber nichts ändern. Für einige Eltern,
die den Ausführungen von Wolz und Fiedler interessiert folgten, drängte sich
ein gewisser Eindruck auf: "Das erscheint mir wie eine Mogelpackung, mit
dem einzigen Ziel, um Geld zu sparen", sagte ein Vater. Eine Mutter
äußerte ihre Befürchtung, dass durch die Aufwertung zur Werkrealschulen die
dann noch verbleibenden Hauptschulen in der Ansicht der Bevölkerung noch eine
Stufe weiter nach unten rutscht.
Dem widersprach aber Helga Wolz: "Ich bin aus Überzeugung
Hauptschullehrerin geworden. Es ist unsere Aufgabe, die Kinder aufzubauen, um
ihnen zu zeigen, was sie können und sie entsprechend zu fördern."
Hauptschüler seien nicht dümmer als Gymnasiasten, sie würden nur anders lernen
und hätten vielleicht andere Begabungen. "Manche Eltern befürchten aber
einen Prestigeverlust", so die Rektorin. Sie ermutigte die Mütter und
Väter zu einer Entscheidung zu stehen, dass ihr Kind die Uhlandschule besucht.
"Den Jugendlichen stehen nach dem Abschluss alle Wege offen", so
Wolz. Einige ehemalige Uhlandschüler hätten es bis zum Studium gebracht.
OB Fiedler hatte vor seinen Ausführungen betont, er halte die Werkrealschule
"für bildungspolitischen Unsinn" - aber die Kommunen seien nun mal
gezwungen, ihn umzusetzen. "Auch unter diesen Voraussetzungen werden wir
eine gute Lösung finden", versprach er. Letztendlich würden die Eltern
aber "mit den Füßen abstimmen", in welche Schule sie ihre Kinder
künftig schicken. "Das Hauptproblem ist in den Köpfen der Eltern",
sagte eine Mutter daraufhin. "Es ist unser Fehldenken, wenn wir davon ausgehen,
dass die Hauptschule nichts wert sei." Nach Ulrich Fiedlers Bitte, ihm
doch ein Stimmungsbild mit auf den Weg zu geben, sprachen sich die Eltern
eindeutig für das dritte Modell aus, nach dem die Uhlandschule bleibt, was sie
ist. "Eine tolle Schule, die unbedingt erhalten werden sollte." Eine
Mutter ergänzte: "Hier herrscht eine wundervolle Atmosphäre, den Kindern
geht es gut."
=>
vgl. Präsentation zu diesem Informationsabend