
Erscheinungsdatum: 08.10.2009
Ortstermin Neuhausens Ortschaftsrat sah sich bei Uhlandschule um,
die durch Jugendliche nicht nur Müllproblem hat
Barrieren schaffen, kein Gefängnis
VON ARNFRIED LENSCHOW
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METZINGEN-NEUHAUSEN. Keiner will es
gewesen sein. Doch Hausmeister Bernd Hammele ist jeden Morgen mit den Hinterlassenschaften
von Jugendlichen konfrontiert, die sich abends auf dem Gelände der Neuhäuser
Uhlandschule treffen. Leere Wodkaflaschen, Scherben, Graffiti, angepinkelte
Türen, schon mal ein brennender Bierdeckel, der unter der Schulhaustür
durchgeschoben wurde und einen schwarzen Fleck hinterlassen hat: das alles sind
Spuren, die die Jugendlichen hinterlassen und nicht nur dem Schulpersonal
bitter aufstoßen.
Zumal auch der
Pausenhof in der Nacht zum »Rallyeplatz« umfunktioniert wird, mit Mofas,
Motorrädern und Autos, deren Lautsprechanlagen auch noch für Disco-Feeling sorgen. Dass Lehrer, die beispielsweise bei
Elternabenden noch spät hier unterwegs sind, oder auch Passanten, Angst
bekommen, versuchte am Dienstagabend beim Ortstermin des
Neuhäuser Ortschaftsrats in der Uhlandschule deren Direktorin Helga Wolz zu
vermitteln.
Scherben in der Pause
Wolz machte auch deutlich, dass es nicht sein kann, wenn am nächsten Tag die
Kinder der Schule Scherben ausgesetzt sind, die von achtlos hingeworfenen
Flaschen stammen. »Wenn wir nichts unternehmen, bleibt es so«, sah nicht nur
Ortschaftsrat Karl Schäfer Handlungsbedarf. Es gehe darum, Barrieren zu
schaffen, kein Gefängnis. »Das ist kein Erlebnispark hier, sondern ein Schulhof.« Wenn die Jugendlichen darauf angesprochen werden, ihren
Müll aufzuräumen, gibt es zwar verbal bekundete Einsicht. Aber vom Ergebnis her
ist das Müllproblem weiterhin da. »Wenn das nicht wäre, hätten wir ja nichts
dagegen, dass die Jugendlichen den Hof als Treff nutzen«, sagte Wolz.
Auch die Ortschaftsräte signalisierten in ihrer Diskussion durchaus Verständnis
dafür, dass die Jugendlichen auch mal ein bisschen über die Stränge schlagen
wollen. Allerdings sollte sich das im Rahmen bewegen. Mit Autos auf den
Schulhof zu fahren, das geht aber nach Ansicht des Gremiums darüber hinaus,
weshalb über ein angemessenes Hindernis dafür nachgedacht wurde, das
feuerwehrtechnisch noch abgeklärt werden soll. Das könnte ein Poller sein, oder
auch eine Schranke. Und ein Schild, das die Einfahrt für Autos verbietet. Auf
jeden Fall etwas, das ein deutliches Zeichen setzt. Es könnte auch verstärkte
Kontrollen der Polizei geben, signalisierte Jugendsachbearbeiter Edmund Müller.
Wer Geldstrafen kassiert, würde es sich dann beim nächsten Mal überlegen.
Streetworkerin Friedrike Büning brach eine Lanze für
die Jugendlichen, die sich hier treffen. »Ich habe mich hier noch nie unwohl
gefühlt. Ich habe die Jugendlichen hier als sehr freundlich kennengelernt«,
sagte sie und sprach sich gegen Verbote aus, die das Problem nicht beheben
würden. »Die Jugendlichen haben in Neuhausen nur diese Schule, wo sie sich
treffen können.«
Als Streetworkerin sei es nicht ihre Aufgabe, für die Müllbeseitigung zu
sorgen. Ihr Plädoyer ging dahin, dass der Ortschaftsrat auf die Jugendlichen
zugeht und mit ihnen reden sollte. Ein Gesprächsangebot, das Ortsvorsteherin
Lilli Reusch aufgriff. Statt schon jetzt Nägel mit Köpfen zu machen, will man
sich erst mal an einem Runden Tisch mit den Jugendlichen zusammensetzen. (GEA)