DRUCKVERSION 08.07.2009

Werkrealschule - Delegation wirbt nächste Woche im Stuttgarter Kultusministerium für das »Metzinger Modell«

Jeder Eingriff »für beide Schulen nicht von Vorteil«

VON RUDOLF LEINS

METZINGEN. »Wir sind perfekt aufgestellt«. Jeder Eingriff ist für beide Schulen - vorsichtig formuliert - zumindest nicht von Vorteil.« Helga Wolz, Rektorin der Uhlandschule in Neuhausen und Roland Feucht, ihr Kollege von der Neugreuthschule Metzingen, sind sich einig: Die Schulreform sei angesichts rückläufiger Schülerzahlen eine sinnvolle Sache. Dies gelte aber nicht für Metzingen. »Sinkende Schülerzahlen haben wir hier nicht«, sagt Feucht. Im Gegenteil, die Zahlen sind stabil, im kommenden Jahr zeichne sich sogar eine Zunahme ab.

Deshalb haben die beiden Schulen zusammen mit der Stadtverwaltung ein »Metzinger Modell« entwickelt, das sie in der kommenden Woche dem zuständigen Referenten im Stuttgarter Kultusministerium vorstellen wollen. Danach strebt die Große Kreisstadt eine Sonderlösung an. Sie sieht die Bildung einer Werkrealschule Metzingen mit den selbstständigen Standorten Neugreuthschule und Uhlandschule Neuhausen vor. Es soll zwei Schulleitungen geben. Beide Schulen kooperieren bei den Wahlfachangeboten in den Klassen 8 und 9 sowie bei der Bildung der Klassen 10. Damit werde der besonderen Situation Metzingens Rechnung getragen. Dort existiere einerseits die eher ländlich geprägte, stabil einzügige Uhlandschule, mit der wohl funktionierenden sozialen Einbindung in den Ort und den kurzen Wegen. Dort besuchen 210 junge Menschen die Grundschule und 93 die Hauptschule.

Besondere Situation

Andererseits besteht die eher städtische - stabil zweizügige - Neugreuthschule, eine Schule mit besonderen pädagogischen und sozialen Aufgaben, in der unter deutlich schwierigeren Bedingungen als in Neuhausen und Glems hervorragende Arbeit geleistet werde.

Die Werkrealschule ist - so Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler - beschlossene Sache. Das baden-württembergische Landeskabinett stimmte einer entsprechenden Regelung bereits zu; die Entscheidung des Landtags wird für Ende Juli erwartet, sodass das Gesetz Ende des Jahres in Kraft treten könnte. Dann wird es den seitherigen Abschluss nach dem achten Hauptschuljahr nicht mehr geben.

Künftig ist in der Werkrealschule der Abschluss nach der Klasse neun möglich oder nach der zehnten Klasse, was der sogenannten mittleren Reife entspricht. Werkrealschulen müssen grundsätzlich zweizügig sein. In den Klassen acht und neun müssen zusätzlich drei Wahlfächer angeboten werden.

Bei diesen Wahlfächern wollen die Neugreuthschule und die Uhlandschule kooperieren. Die Bildung von zehnten Klassen wolle man von der Zahl der Anmeldungen abhängig machen.

Die Reform - so wie sie bis jetzt vorgesehen ist - ließe für Metzingen nur zwei Lösungen zu: Entweder bleibt die Neugreuthschule erhalten und die Uhlandschule wird reine Grundschule oder die Schulen werden zusammengelegt. Beides bedeutet für Metzingen eine Verschlechterung. Aus diesem Grund versucht die Stadt, dem Kulturministerium den Sonderweg »zwei Schulen unter einem Dach« schmackhaft zu machen. Die Schulleiter und die Verwaltung stützen sich dabei nicht zuletzt auf das Landesportal Baden-Württembergs (Datum vom 21. April), wonach die Umgestaltung »ohne radikale Brüche« geschehen soll. Zudem solle die Schulentwicklung an den örtlichen Verhältnissen ausgerichtet werden.

Unter einem Dach

Genau dies werde durch das Metzinger Modell realisiert. Zudem: Das Land erwartet von der Reform eine Signalwirkung für den ländlichen Raum. Und dies könne ja wohl nicht dadurch geschehen, dass die »ländliche Schule in der städtischen verschwindet«, so das Argument der Metzinger Verantwortlichen für das Modell, das »wichtig, richtig zukunftsweisend und für Metzingen optimal« sei, wie es Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler formuliert. (GEA)


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