Erscheinungsdatum: Mittwoch 03.06.2009

 

Das Dorf als Klassenzimmer
Erstklässler der Uhlandschule erlebten "Glems vor 50 Jahren"

Der Freundeskreis Uhlandschule organisiert einen "Schulaktionstag in Glems", bei dem die Erstklässler erkundeten, wie das Leben vor 50 Jahren war. Dabei unterhielten sie sich auch mit älteren Mitbürgern.

Vor 50 Jahren war das Leben anders als heutzutage, aber durchaus auch spannend. Foto: Privat

Neuhausen/Glems  Kürzlich erkundeten 18 Erstklässler im Rahmen des Unterrichts "Glems vor 50 Jahren". Kurz vor 9 Uhr starteten die ABC-Schützen mit ihrer Lehrerin und hatten als erstes Ziel den traditionellen Maibaum in der Ortsmitte. Andreas Seiz, der Ortsvorsteher, kam für kurze Zeit aus der Backstube, und erklärte den Kindern die alte Tradition des Maibaums und die Bedeutung der Wappen.

Nur wenige Schritte weiter, wartete bereits Manfred Kriessler, Pfarrer a.D. an der Kirche. Er erzählte den Schülern, wie die Kirche zu jener Zeit aussah, als Oma und Opa noch Kinder waren. Der Eingang zur Kirche war auf der Frontseite zur Straße, wo heute das große Fenster mit den Geschichten aus der Bibel zu sehen ist. In der Kirche war für die Kleinen die große Orgel von Interesse.

Die nächste Station der Kinder war ein Bauernhof in der Hochwiesenstraße. Dort wurden sie von Anna Kümmerle mit Apfelsaft und frisch gebackenem Zwiebelkuchen begrüßt. Nach dieser Stärkung setzte sich das Programm in drei Gruppen fort. Bei einem Brettwürfelspiel, das den Ortsplan-Glems im Jahr 1958 mit vielen Bildern zeigt, konnten die Kinder viele markante Punkte wie Mühle, altes Schulhaus oder das ehemalige Gasthaus "Lamm" erleben. Herbert Sailer erzählte den Kindern aus seiner Jugendzeit und erweckte die alten Bilder zum Leben.
 
Eine zweite Gruppe lernte in praktischer Form kennen, mit welch bescheidenen Mitteln die Kinder damals ihre Spiel im Dorf gestalteten. Man begnügte sich mit Murmeln, Hüpfspielen und großen Reifen zum Antreiben. Die dritte Gruppe durfte direkt in die Küche, um den vorbereiteten Hefeteig auszuwellen, die "Käsfüßle" auszustechen, welche mit Eigelb und Sonnenblumenkernen verziert auf das Backblech wanderten. Das Einschießen der Käsfüßle in den vorgeheizten Holzbackofen war für alle sehr spannend.
 
Als alles im Ofen war, nutzte Anna Kümmerle die Gelegenheit und holte ihre alten Musikinstrumente hervor: einen Schellenbaum, ein Waschbrett und ein Klapperbrett. Zunächst wussten die Kinder diese Instrumente nicht richtig und im Takt einzusetzen, doch die Lehrerin ließ alle im Kreis aufstellen und stimmte mit der nötigen Taktvorzählung ein Lied an. Mit lustigen Versen und deutlichem Rhythmus klang das ganz toll - reihum wollte natürlich jeder auch jedes Instrument ausprobieren.
Die Käsfüßle waren noch nicht ganz fertig gebacken, als die Erstklässler gegen 11.40 Uhr den Rückmarsch antreten mussten, denn für die Neuhäuser Kinder fährt bereits um 11.55 Uhr der Bus an der Schule ab. Anna Kümmerle und Herbert Sailer hätten noch viel vom alten Glems zu erzählen gewusst, einiges das auch die Lehrerin zum Staunen brachte. Gab es doch zu jener Zeit nur einen Lehrer an der Glemser Schule, der gleichzeitig acht Klassen in zwei Schulräumen unterrichtete.
Für die Kinder der ersten Klasse bleibt dieser Donnerstag als ganz besonderer Schultag in Erinnerung, das Klassenzimmer wurde ihnen quasi mitten ins Dorf gebracht.