Erscheinungsdatum:
Samstag 04.04.2009|
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Überlebte den Holocaust: Die Jüdin Rahel Dror
erzählt heute ihre Geschichte. |
Aufmerksam
und wissbegierig zeigten sich gestern die Schüler der Uhlandschule. Rahel Dror, Zeitzeugin des Nationalsozialismus, hat den Schülern
von ihrem Leben als Jugendliche im Zweiten Weltkrieg berichtet.
ANNA MARIA TIECK
Neuhausen "Erinnern
heißt, sich erlebte Dinge vor das geistige Auge zurück zu holen und sie in
Gedanken noch einmal zu erleben", sagt die Rektorin der Uhlandschule Helga
Wolz. Seit vielen Jahren lässt Rahel Dror Schüler an ihren Erinnerungen teilhaben. Die
87-Jährige gehört zu der Generation, die sich Zeitzeugen nennen kann. Sie
erlebte den Aufstieg des NS-Regimes, die Reichskristallnacht und die rettende
Flucht nach Palästina. Die Uhlandschüler der achten und neunten Klasse
lauschten aufmerksam den Worten der Zeitzeugin.
1921 ist die Deutsch-Jüdin als Rahel Ziporah
Lewin im ostpreußischen Königsberg geboren. Ihre Familie hielt sich streng an
die jüdischen Brauchtümer. Bereits in jungen Jahren wurde
ihr von ihrer Mutter verboten, sich mit ihrem nichtjüdischen Spielkameraden
Werner zu treffen. Die Begründung ihrer Mutter: "Weil du Jüdin bist."
Zunehmend konnte Dror beobachten, wie sich ihre
Heimatstadt Königsberg veränderte. Juden waren nirgendwo mehr erwünscht. Zu
Parks, Kinos oder Theateraufführungen war ihnen der Zutritt verboten.
Durch Zufall erfuhr sie 1936, dass es eine Jugendgruppe gibt, die nach
Palästina gebracht werden sollte. Dieser schloss sich die damals 17-Jährige an.
Zunächst wohnte sie zusammen mit anderen Jugendlichen in einer Hamburger
Wohnung. Am 28. Oktober 1938 wurden ihre Freunde abgeholt, um eine
"jüdische Stadt" zu bauen. Rahel Dror floh
zu ihrer Tante. Am 10. November erfuhr sie von den brennenden Synagogen - der
Reichskristallnacht am Abend zuvor.
Auf Wunsch ihres Vaters kehrte sie nach Königsberg zurück. Mittlerweile
wohnte die Familie in einer heruntergekommenen Gegend. Nachts kam die Gestapo,
misshandelte ihren Vater und ihren vier Jahre jüngeren Bruder, schlug Möbel und
Geschirr kurz und klein. "Mein Bruder ist bis heute traumatisiert",
erklärt Dror dazu.
Damals entschloss sie sich erneut einen Fluchtversuch nach Palästina zu
unternehmen. Am 29. April 1939 verließ sie Deutschland. Es war das letzte
Schiff nach Palästina. Ihre Eltern blieben zurück. Sie konnten schließlich 1940
nach Italien fliehen. Wo sie vier Jahre später deutschen Soldaten in die Hände
fielen und nach Auschwitz deportiert wurden. Von dort kamen sie nie zurück. Erst
1952 erfuhr Dror vom Schicksal ihrer Mutter und ihres
Vaters. "Ich konnte damals nicht weinen und kann es heute immer noch
nicht. Wenn ich weine, dann aus Wut und nicht aus Trauer", sagt die
87-Jährige.
Mittlerweile war Dror
verheiratet, hatte eine Tochter geboren und ging als die erste Polizistin des
neu gegründeten Staats Israel in die Geschichte ein. 1957 kehrte Rahel Dror nach Deutschland zurück und arbeitete bis zu ihrer
Pensionierung 1986, als Lehrerin für bildende Kunst und Technik in Stuttgart.
Seither führt sie Interessierte durch Synagogen und berichtet von ihrem Leben.
Zudem arbeitet sie für die Gesellschaft für christlich-jüdischer
Zusammenarbeit.
"Jedes Volk hat positive und negative Menschen. Es gibt nicht die
Menschen", so Dror, "es gibt den Menschen.
Jeder Mensch hat einen Namen und niemand ist für die Taten eines anderen
verantwortlich", schließt sie ihre Erzählung ab. ![]()
Erscheinungsdatum: Samstag 04.04.2009
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/