Metzinger Uracher Volksblatt am Freitag, 20.06. 2008:

Zwei Kulturen und die Kraft der Gemeinsamkeit
Kinder und Jugendliche aus Tandala und Neuhausen bieten beeindruckendes interkulturelles Projekt


Der Erzähler versteht es, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen.
Foto: Wieland Lehmann

Mit dem Sing-, Tanz- und Theaterspiel "Karibuni watoto" begeisterten am Mittwochabend Kinder und Jugendliche aus Tandala und Neuhausen das große und kleine Publikum in der Uhlandschule.
 

WIELAND LEHMANN
 
Neuhausen Das leuchtend bunte Bühnenbild, von den Mitwirkenden des Projekts selbst gestaltet, war so eine richtige Einladung zu einer Reise. Es ging in die exotische Welt Afrikas. Seit Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen Tandala in Tansania und Neuhausen. Viele Begegnungen haben inzwischen die freundschaftlichen Bande gestärkt, doch diesmal war ein interkulturelles Kinder- und Jugendprojekt im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben. 34 junge Mitwirkende aus Tandala und Neuhausen mit Archibald Louis und Juliana Sanga, bunt gekleidet, brachten sängerisch, tänzerisch und schauspielerisch eine beeindruckende Aufführung auf die Bühne.
 
Im Mittelpunkt steht eine Geschichte und Archibald Louis war bereit, sie zu erzählen, doch nicht ohne, dass die Kinder vorher ihre Hausarbeiten und Hausaufgaben gemacht haben. Bei ersterem wurden die einfachen, täglich zu verrichtenden Dinge gezeigt, bei letzterem wurde man zweisprachig gesanglich der Anforderung gerecht. Und dann hörten sie von dem mächtigen König und der Kraft seines Ringes. Der dunkelhäutige Erzähler ging nicht weniger auf seine kleinen Zuhörer ein, als es eben Großmütter bei ihren Enkeln zu tun pflegen. Beim Bade also, sei der Ring gestohlen worden, war zu erfahren. Ohne Aufhebens musste er wieder beschafft werden. Da half nur ein Zauberer.
 
Dieser kleine Bub tanzte auf der Bühne, die einer echten Beschwörung gerecht werden konnte. Bei den Holzfällern sei der Dieb zu finden, ergab sich. Die Überführung des Diebes entbehrte nicht dem Bezug zu auch hier anzutreffenden Verhaltensweisen. Was der König seiner Lieblingsfrau ins Ohr flüsterte, behielt diese natürlich für sich, nicht ohne es ihrer Freundin anzuvertrauen. Auch diese war verschwiegen, nicht ohne es nur engsten Vertrauten zu flüstern. Der Dieb wurde entlarvt, nicht den Löwen zum Fraß vorgeworfen - der kurzzeitige Ringbesitz verschaffte auch ihm königliche Gnade - sondern aus dem Dorf gejagt.
 
Das Handy des Erzählers klingelte, das Lachen des Publikums ob solch moderner Kommunikation blieb nicht aus. Seine Tochter sagte sich zum Besuch an. Vorbereitet und gefeiert wurde ein Fest, bei dem die Darsteller so richtig afrikanische Klänge, Rhythmen, Tänze vermittelten. Und da spürte man in der Freude unter den Mitwirkenden und der Aufnahme des Publikums keineswegs kulturelle Barrieren. Das Abschiedslied musste wiederholt werden, durch rhythmischen Beifall belohnt. Die Band mit Benjamin Koch (Marimbaphon), Lena Bernauer (Percussion), Moritz Fritz (Gitarre), Simone Scherrmann (Querflöte) und Steffi Gröning (Klavier) gab der Aufführung den adäquaten afrikanisch-musikalischen Klang. Sigrid Müller hatte die musikalischen Leitung. Diese Aufführung bewies, wie weit Begegnungen reichen können, wie aus kultureller Auseinandersetzung eine wirkliche Gemeinschaft entstehen kann.
 
Info
 
Die Aufführung ist am heutigen Freitag, 18.30 Uhr, in der Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zu erleben. Nur noch wenige Karten gibt es bei einer weiteren Aufführung am Dienstag, 15.30 Uhr, im Dettinger Bürgerhaus.
 


Erscheinungsdatum: Freitag 20.06.2008
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/