Metzinger Uracher Volksblatt; Erscheinungsdatum: Freitag 14.12.2007

 

GESUNDHEIT / Präventionsprojekt an der Uhlandschule zum Schutz vor Hörschäden
Die Kinder lauschen "Ganz Ohr"

Ohren kann man nicht ausstellen. Das Hörvermögen nimmt von Geburt an ab.
Folglich muss sorgsam mit den Lauschern umgegangen werden.
MICHAEL KOCH

Textfeld:  

Meist ist das Hörvermögen in der Grundschule noch in Ordnung. 
Die irreparablen, schädigenden Einflüsse setzen später ein. FOTO: MICHAEL KOCH
NEUHAUSEN  Ein bisschen aufgeregt kommen die Kinder zum Hörtest. Tiefes Brummen auf dem rechten, hohes Pfeifen auf dem linken Ohr - alles in Ordnung, sagt Renate von Hoyningen-Huene. Sie ist im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes an die Uhlandschule nach Neuhausen gekommen, um hier mit ihren Kolleginnen das Präventionsprojekt "Ganz Ohr" durchzuführen. Mittlerweile seit sechs Jahren gibt es das Projekt, das sich an Kinder der Klassen zwei bis vier wendet. "Wir setzen bewusst so früh an", sagt von Hoyningen-Huene, "weit bevor die Ohren der Kinder in der Disco geschädigt werden." Probleme treten heutzutage nämlich schon viel früher auf: Beispielsweise geben sich Kinder schon in jungen Jahren mit MP3-Playern was auf die Ohren. Sie wissen natürlich nicht, welchen Schaden sie sich damit zufügen können.

Daher geht es bei "Ganz Ohr" darum, Aufklärung zu betreiben und ein Bewusstsein für den Schutz der Ohren zu schaffen. Dazu gehört nicht nur der Hörtest, bei dem die allermeisten der Kinder sehr gut abschneiden ("Wenn nicht, dann liegt das meist an einer akuten Erkältung mit einer Mittelohrentzündung."). Vielmehr durchlaufen die Kinder in den drei Schulstunden, die pro Klasse eingeplant sind, mehrere Stationen. So gibt es eine kleine Einführung in die Gebärdensprache im Wechsel mit verschiedenen Hörversuchen. In einem anderen Klassenzimmer ist ein Hörmemory aufgebaut, im Gang gibt es eine Geräuschstraße. Darin werden einem Kind die Augen verbunden, es bewegt sich dann mit Hilfe von Anweisungen der Mitschüler über eine festgelegte Strecke. Schon ab einem Pegel von 80 Dezibel werden Ohren geschädigt, anhand einer Hörampel erkennen die Kinder sehr schnell, wann sie diesen Pegel im normalen Schulalltag erreichen. Schließlich wird an Hörbeispielen demonstriert, wie sich das Hörvermögen von gesunden zu geschädigten Ohren unterscheidet. "Das klingt ja voll verschwommen. Ich hab kein Wort verstanden", sagte ein Mädchen ganz beeindruckt.

Helga Wolz, Rektorin an der Uhlandschule, wurde durch eine Einladung des Kreisgesundheitsamtes auf "Ganz Ohr" aufmerksam. Bei einer Infoveranstaltung stellten sich dann mehrere Lehrer der Schule den verschiedenen Stationen. Altershalber hören Lehrer in der Regel übrigens deutlich schlechter als ihre Schüler. Nach einem positiven Fazit wurde schließlich ein Termin für das Projekt vereinbartEin Drittklässler imponierte Renate von Hoyningen-Huene besonders. Er erklärte aus seiner Sicht die Veränderungen im Hörvermögen: "Wenn wir geboren werden, dann stehen wir oben auf einem hohen Berg. Von dann an geht es bergab. Ziel ist es, so langsam wie möglich bergab zu gehen." Anatomische Feinheiten mal außer Acht gelassen, hat der Junge im Wesentlichen Recht.