Metzinger
Uracher Volksblatt; Erscheinungsdatum: Freitag 23.11.2007
PROJEKT / Das
"Bildungshaus 3-10" zwischen der Uhlandschule Neuhausen und fünf
Kindergärten hat begonnen
Abgucken erlaubt: Wenn die Kleinen von den Großen
lernen
Das
Kultusministerium des Landes hat 20 Schulen in Baden-Württemberg für das
Projekt "Bildungshaus 3-10" ausgewählt. Sie kooperieren besonders eng
mit Kindergärten. Mit dabei ist die Uhlandschule, sie arbeitet mit allen fünf
Kindergärten in Neuhausen und Glems zusammen.
MICHAEL
KOCH

NEUHAUSEN/GLEMS Ein
gemeinsames Bildungshaus für alle Kinder zwischen drei und zehn Jahren - klingt
gut, aber wie lässt sich das umsetzen? An der Neuhäuser Uhlandschule ist das
Projekt jetzt gestartet.
Jeden Donnerstag kommen die Vorschüler der vier
Neuhäuser und des Glemser Kindergartens für zwei
Stunden in die Schule, insgesamt 56 Kinder. Sie werden auf die jeweils drei
ersten und zweiten Klassen aufgeteilt.
Der gemeinsame Unterricht wird extra
für dieses Projekt gestaltet. Ausdrücklich soll nicht der "normale"
Unterrichtsstoff vermittelt werden, die Kinder aus den Kindergärten sollen
nicht frühzeitig verschult werden. Stattdessen geht es um die Vermittlung von
Sprach- und Sozialkompetenz, von motorischen Fähigkeiten, um Wahrnehmung und
Logisches Denken sowie um Sinnes- und Werteschulung.
Sigrun Hähnle,
Koordinationspartnerin seitens der Schule, sieht die Vorteile für die Schüler
ganz pragmatisch: "Sonst sind sie im Schulalltag die Kleinen, jetzt sind
sie die Großen. Das steigert das Selbstwertgefühl." Beim Vorlesen, gemeinsamen
Musizieren oder beim Sport dienen die Schulkinder als Vorbilder. Dritt- und
Viertklässler können für so genannte interessenorientierte
Angebote auch in die Kindergärten gehen.
Die Vorteile für die Vorschüler
liegen auf der Hand. "Den Kindern soll der Übergang vom Kindergarten in
die Schule erleichtert werden", erklärt Regina Stramm,
Kindergarten-Leiterin in der Klosterstraße. "So wird es für die Schüler
vom ersten Tag an zur Normalität, in die Schule zu gehen." Schwellenängste
würden somit weitestgehend abgebaut. Außerdem lernen Kinder leichter, wenn sie
bei größeren Kindern einfach nur abschauen müssen - spickeln
ist also ausdrücklich erlaubt und erwünscht.
Nach erfolgreicher Antragsstellung und Aufnahme in das
Projekt kam auf die Beteiligten natürlich ein Berg an organisatorischer
Mehrarbeit zu. "Wir bekommen vom Ministerium pro beteiligter Schulklasse
drei Wochenstunden zusätzlich", sagt Helga Wolz,
Leiterin der Uhlandschule. Für die Kindergärten
ist die Situation nicht ganz so komfortabel, aber die Stadt als Träger wird
Vertretungsstunden, die in Zusammenhang mit dem Bildungshaus stehen,
genehmigen, wie Regina Stramm bestätigt.
Während des Rundgangs durch die gemischten Klassen wird
in einem Zimmer laut gehämmert, als gerade ein Geobrett gebastelt wird. Im
nächsten Raum wird mit verschiedenen Instrumenten musiziert, wieder eine Tür
weiter wird eifrig gemalt. Das Thema lautet "Formen", denen man sich
aus verschiedenen Richtungen nähert. Die zwei Unterrichtsstunden machen Volker
Gröning, einem der beteiligten Lehrer, jede Woche besonders viel Spaß. "Es
ist einfach mal etwas anders. Man muss sich nicht so sehr an den
Lehrplaninhalten orientieren", sagt er. Auch
die Rückmeldung der Kinder ist durchweg positiv. "Die freuen sich auf dem
Heimweg schon immer auf den nächsten Donnerstag", erzählt Regina Stramm.