Reutlinger Generalanzeiger am 23.11.2007:

 

Erziehung - Die Neuhausener Uhlandschule auf dem Weg zum Bildungshaus.

Fünf Kindergärten beteiligen sich

Angstfrei in die Schule

 

VON IRMGARD WALDERICH

 

METZINGEN-NEUHAUSEN. Ganz schön laut ist es da unten in der Werkstatt. Elf Kinder hämmern mit Feuereifer Nagel um Nagel in ein Brett. Für einen Teil der Kinder sind die Räumlichkeiten Alltag. Die anderen sind extra dafür in die Schule gekommen - vom Kindergarten. Die Uhlandschule in Neuhausen verwandelt sich seit diesem Schuljahr langsam aber sicher in ein Bildungshaus. Das heißt, 56 Vorschulkinder machen sich jeden Donnerstag für zwei Schulstunden von ihren Kindergärten auf den Weg in die Wolfsgrubstraße. Dort werden sie schon von den Erst- und Zweitklässlern erwartet.

 

Nicht nur für die Kinder, sondern auch für Lehrer Volker Gröning eröffnen sich mit dem Modellversuch Bildungshaus neue Chancen: Aufgrund der zusätzlich bewilligten Stunden konnte er nun in der Uhlandschule angestellt werden. GEA-FOTO: WALDERICHNicht nur für die Kinder, sondern auch für Lehrer Volker Gröning eröffnen sich mit dem Modellversuch Bildungshaus neue Chancen: Aufgrund der zusätzlich bewilligten Stunden konnte er nun in der Uhlandschule angestellt werden.
GEA-FOTO: WALDERICH

 

Ab jetzt ist der Unterricht gemeinsam. Beide profitieren davon, sagen die Rektorin Helga Wolz und die Grundschullehrerin Sigrun Hähnle. Die Kindergartenkinder können Schulluft schnuppern, die Kleinsten der Schule sind plötzlich groß, weil sie anderen etwas zeigen können.

»Kooperation gab es schon immer, aber niemals in dieser Form«

Für Neuhausen ist es ein gewaltiges Projekt. Schließlich beteiligen sich neben der Schule alle fünf Kindergärten, die zum Einzugsbereich gehören. Im Frühjahr hatten sich die Einrichtungen gemeinsam um die Aufnahme in das landesweite Modellprojekt beworben. Und mit ihnen insgesamt 93 Schulen und 143 Kindergärten. 20 Standorte bekamen den Zuschlag. Die Besonderheit in Metzingen: Mit keiner anderen Schule kooperieren derart viele Kindergärten. Entsprechend kompliziert war das Verfahren, sagt Wolz. Schließlich mussten alle Träger dem Modellversuch zustimmen.

Es hat geklappt. Sieben Jahre lang läuft nun das Projekt. Die Schule bekommt dafür vom Land drei zusätzliche Stunden in der Woche angerechnet. Nicht ganz so rosig sieht es für die Kindergärten aus, sagt Regina Stramm. »Bei uns liegt es mehr oder weniger am Gutdünken der Träger, ob das Projekt unterstützt wird Die beteiligten Kindergärten haben Glück gehabt. Die Stadt Metzingen hat ihre Unterstützung zugesagt. Die ersten Bretter in der Werkstatt sind fertig. Zwischen die Nägel lassen sich mit Gummifäden geometrische Figuren spannen. Dreieck, Viereck oder Kreis. Die Kinder lernen die Formen auf verschiedene Weise kennen und unterscheiden. In der Werkstatt mit Hammer und Nagel, ein Stockwerk höher mit den Malstiften und noch weiter oben mit Musik und Bewegung. Motorik, Geschicklichkeit und räumliche Wahrnehmung werden so geschult.

Um das Projekt verwirklichen zu können, sind Kindergärten und Schulen eng zusammen gerückt. »Kooperation gab es schon immer, aber niemals in dieser Form«, sagt Helga Wolz. Die gemeinsamen Stunden werden intensiv vor- und nachbereitet. Die Pädagogen besuchen zusammen Fortbildungen. Schule und Kindergärten mussten im Vorfeld Ängste aus dem Weg räumen. »Die Kindergartenkinder sollen nicht verschult werden«, betont die Erzieherin Regina Stramm. Weder müssen in Neuhausen Vier- bis Fünfjährige Schreiben und Rechnen lernen, noch fällt für die Schulkinder der Unterricht aus, betont auch die Schulleiterin. Auch werden sich nun nicht die Anforderungen für die Einschulung erhöhen, im Gegenteil. Der Übergang von Kindergarten in die Schule soll wesentlich erleichtert werden. Die Kindergartenkinder lernen schon frühzeitig die Schule von innen kennen, sodass sie später ohne Angst in ihre Schulzeit starten können. Auch die Schulkinder profitieren davon. Die Dritt- und Viertklässer sollen künftig Angebote für die jüngsten Kindergartenkinder machen. Die Pädagogen denken dabei an etwa Vorlesen oder Musizieren, Sport oder Theater im Kindergarten. Dazu kommen gemeinsame Feste und Aktivitäten das Jahr über. All das wird künftig auch dokumentiert, auf der Homepage der Uhlandschule [
www.uhlandschule.de]. (GEA)

Schul- und Kindergartenkinder sollen voneinander lernen
Jahrgangsübergreifendes voneinander Lernen steht im Mittelpunkt des Landesprojektes Bildungshaus. Dazu sollen sich Schule und Kindergärten eng verzahnen, sodass für die 3- bis 10-Jährigen eine durchgängige Bildungseinrichtung entsteht. Damit soll für die Kinder der Übergang von Kindergarten zur Schule wesentlich erleichtert werden. Sieben Jahre lang läuft das Projekt an 20 verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg. Das Land hat dafür 3,7 Millionen Euro locker gemacht. Sie fließen in Projekt- und Personalkosten im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung. Die Schulen werden außerdem mit drei zusätzlichen Stunden pro Woche und teilnehmender Klasse unterstützt. Bei den Kindergärten muss allerdings der Träger einspringen. Neben der Uhlandschule beteiligen sich die drei Neuhäuser Kindergärten und die Kindergärten Albstraße und Glems. (GEA)