BILDUNG / Eine Nistkasten-Kamera begeistert die Grundschüler in Glems

Die Schule hat mehr als einen Vogel

 

Das Leben einer Meisenfamilie wird direkt ins Schulhaus übertragen

 

Die Meisenfamilie im Nistkasten gehört zum täglichen Unterricht an der Grundschule in Glems.

FOTO: JAN ZAWADIL

Die Glemser Grundschule hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere Vögel. Denn mit einer Nistkastenkamera und einem Fernsehgerät holt der NABU Metzingen eine Meisen-Kinderstube direkt ins Schulhaus und gewährt Einblicke in die Aufzucht des Vogelnachwuchses.

JAN ZAWADIL

 

GLEMS Die Begeisterung in der Glemser Grundschule ist groß. "So was hab ich noch nie gesehen" oder "Schön, dass wir das haben" sind nur einige Sätze, die den Grundschülern zu ihrem Vogelnest-TV einfallen, bevor sie anschließend wieder von dem Schwarzweiß-Bild auf dem Fernseher im Gang gefesselt sind. Dabei war es gar nicht so leicht, die Kinderstube einer jungen Meisenfamilie via Kabel ins Schulhaus zu übertragen. Weniger die technischen Voraussetzungen waren das Problem, als vielmehr das Brutverhalten der Vögel. Denn bereits vor einigen Jahren hatten Dietmar Schurr und Albert Brodbeck vom Vorstand des NABU Metzingen darauf gewartet, dass der Nistkasten von Vögeln angenommen und bezogen wird, damit das Experiment TV-Übertragung klappt. Vor einigen Jahren gelang das zwar bereits in der Neugreuth-Schule, doch die Glemser Grundschule hatten die Vögel bisher nicht in ihre Familienplanung einbezogen.

 

Zweite Kamera im Neugreuth

Doch in diesem Jahr hat es endlich geklappt. Neben dem erneuten Erfolg in der Neugreuth-Schule hat sich endlich auch in Glems ein Kohlmeisenpaar für den Nistkasten hinter dem Schulhaus und über einer Eberesche entschieden und neun Eier in das Lager aus Gräsern, Moos und Federn abgelegt.

Nachdem Dietmar Schurr und Albert Brodbeck von dieser guten Kunde Wind bekamen, folgte kurz nach Ostern der vorsichtige Kameraeinbau in den Nistkasten. Schließlich durfte weder das junge Paar noch der kommende Nachwuchs gestört werden.

Der größte Tag war dann aber der 19. April. "Da sind sie nämlich geschlüpft", wie die Zweitklässler Sophia, Verena, Lars-Michel und Christian wissen. Insgesamt seien es fünf Jungvögel, die aus den Eiern geschlüpft sind. Und die, das haben die vier Schüler bereits gelernt oder schon längst gewusst, bekommen nun täglich eine ordentliche Portion Raupen, Insekten oder Spinnen.

 

Schädlingsbekämpfung

Wie viel Futter das wirklich ist, weiß hingegen Dietmar Schurr. "Zwischen 600 und 1000 Raupen und Insekten sind es pro Tag." Das sei zwar viel Arbeit für die Meiseneltern, die hierfür Tag für Tag bis zu 90 Kilometer zurücklegen müssen, aber auch eine ökologische Schädlingsbekämpfung, von der Landwirte profitieren.

Für die Grundschüler steht die Schädlingsbekämpfung jedoch weniger im Mittelpunkt. Für sie ist es viel spannender zu beobachten, wie die fünf jungen Meisen wachsen und gedeihen, und lernen damit jeden Tag dazu. "Ich wusste nämlich nicht, dass die Mutter die Eierschalen auffrisst", meinte der zehnjährige Max.

 

Erste Flugversuche

In den Unterricht ist die Meisenfamilie dabei längst eingebunden, wird immer wieder durchgesprochen und ist ja auch mit dem Thema "Entwicklung eines Tieres" Teil des Lehrplans. Damit die Schüler allerdings einen genauen Überblick über die Wachstumsphasen und das Verhalten der Meiseneltern und -kinder haben, wird zusätzlich Tagebuch geführt. Und das noch so lang wie die Jungvögel im Nistkasten sind. Das dürfte allerdings nicht mehr allzu lang sein, startet der Vogelnachwuchs doch demnächst seine ersten Flugversuche, bevor er endgültig ausfliegt.

 

Südwestpresse - Ermstalbote

Erscheinungsdatum: Donnerstag 03.05.2007