Artikel vom 08.04.2006 aus dem Metzinger-Uracher
Volksblatt/Der Ermstalbote
UHLANDSCHULE / Kinder wollen "am liebsten jeden Tag" einen Sporttag
Seilhüpfen für die Rechtschreibung
|
Gestern lernten
die Erst- bis Viertklässler der Uhlandschule in Turnschuhen und Sportkleidung
bei einem Sporttag wichtige ethische Grundsätze für den Umgang miteinander. Was so
trocken klingt, würden die Schüler am liebsten jeden Tag wiederholen. |
|
NEUHAUSEN Gestern Vormittag fand in der Hofbühlhalle
der zweite Sporttag für die Grundschüler der Uhlandschule statt. Wie nicht anders
zu erwarten, wurde das Projekt mit großer Begeisterung von Seiten der Kinder
aufgenommen.
Die einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung wird von der Schule in
Zusammenarbeit mit der Kindersportschule "KiSS"
der TuS Metzingen und des TV Neuhausens organisiert. Auch dieses Jahr
übernahmen wieder Lehrerin Edith Reusch und Britta Maurer von der
Kindersportschule die Leitung.
Die Grundidee des Sporttags besteht darin, den regulären Unterricht durch
weitere sportliche Aktivitäten aufzulockern. "Im normalen Sportunterricht
bleibt einfach nicht die Zeit für den Aufbau so vieler verschiedener
Stationen", erklärt Maurer. Eine Stunde haben vier Helfer für den
komplexen Aufbau in der Hofbühlhalle gebraucht.
Besonders gefallen haben den Kleinen vor allem die Riesenschaukel und der
Tunnel für die Rollbrettfahrer. Auch der Kletterberg, die schiefe Ebene und der
Mattenberg mit dem Minitrampolin erfreuten sich großer Beliebtheit.
Da viele Schüler der Uhlandschule auch die KiSS
besuchen "fiebern sie seit Wochen dem Sportereignis entgegen",
erläutert Maurer.
Doch hinter dem für die Kinder sehr spaßigen Sporttag steckt ein
ausgeklügeltes, pädagogisches Konzept: Die Grundschüler sollen lernen sich
untereinander abzusprechen, sich an Regeln zu halten und miteinander umzugehen.
Nach Meinung des Schuldirektors Manfred Thiedemann gibt es "kaum noch
Kinder von Typ Tom Sawyer." Die Kinder seien immer mehr in regelmäßige
Zeitabläufe eingespannt und fänden kaum noch Zeit für sich selbst und für
andere. "Man sieht heutzutage kaum noch Kinder auf der Straße miteinander
spielen oder auf Bäumen klettern. Das führt zu einem akuten
Bewegungsmangel."
Mit dem Sporttag soll diesem entgegengewirkt werden. Außerdem sei Bewegung laut
neuester Forschungsergebnisse förderlich für die intellektuelle Entwicklung.
"Es ist zum Beispiel erwiesen, dass Menschen, die gut Seilspringen können,
eine bessere Rechtschreibung haben", behauptet Maurer. Allerdings dürfe der Sporttag nicht mit
Projekten wie dem der "bewegten Schule" verwechselt werden. Direktor
Thiedemann erklärt nachdrücklich: "Man kann nicht auf jeder Hochzeit
tanzen." Deshalb habe die Schule bestimmte Schwerpunkte gesetzt. Diese
sind an der Uhlandschule Neuhausen unter anderem das Fördern von
Medienkompetenz, die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung, die
Förderung der Sprachkompetenz sowie das
Erlernen von friedlichem Verhalten.
Auch bei dieser Aktion zeigen sich bereits Erfolge in der Durchsetzung des
Schulprofils. Die insgesamt ungefähr 160 Schüler gehen freundlich und
respektvoll miteinander um, sodass für 100 Kinder nur vier Aufsichtspersonen
benötigt werden. "Obwohl so viele Kinder auf einmal in der Sporthalle
toben gibt es kaum Verletzungen", freut sich Edith Reusch.
Die Veranstaltung bildet auch einen Kontrast zu den alljährlichen
Bundesjugendspielen. Gestern zählte einmal nicht die Leistung der Schüler,
sondern, wie Maurer anmerkt, "dass jeder mit einem Lächeln im Gesicht hier
herausläuft."